40 Jahre Landeshauptstadt: Am 10. Juli 1986 hatte der Niederösterreichische Landtag den Beschluss gefasst, St. Pölten zur Landeshauptstadt zu machen. Im Rahmen eines Festakts wurde dieses Jubiläum gefeiert.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner sprach von einer Entscheidung mit Weitblick. Die Landeshauptstadtwerdung sei „eine Entscheidung mit Weitblick: für Eigenständigkeit, für eine eigene Landesidentität und für ein starkes Zentrum mitten in Niederösterreich.“ Heute könne man sagen: „Ein starkes Zentrum für Niederösterreich.“ Aus einer Industriestadt sei eine moderne Landeshauptstadt geworden: „Sie ist das Zentrum unseres Bundeslandes. Sie ist das Herz unserer Heimat. Sie ist unsere Landeshauptstadt.“
Für Mikl-Leitner ist das Jubiläum nicht nur Rückblick, sondern auch Auftrag für die Zukunft. „Wenn wir heute gemeinsam unsere Landeshauptstadt feiern, dann geht es aber nicht nur um die Vergangenheit, es geht auch darum: Was können wir von dieser Entscheidung für unsere Zukunft lernen? Was bedeutet der Blick zurück für uns, am Weg nach vorne?“, betonte sie. Auch frühere Generationen hätten Krisen und Umbrüche gemeistert. „Ja, die Herausforderungen unserer Zeit sind groß. Aber bitte verklären wir nicht die Vergangenheit.“ Und: „Ja, jede Generation hatte ihre Herausforderungen und musste ihren Weg gehen. Und auch die Generation vor 40 Jahren hat ihren Weg gefunden.“
Besonders würdigte die Landeshauptfrau jene, die die Entscheidung vor 40 Jahren möglich gemacht haben. Landeshauptmann Siegfried Ludwig habe die Vision einer eigenen Landeshauptstadt gehabt und sie „mit Mut und Entschlossenheit verwirklicht – gemeinsam mit seinem Stellvertreter Ernst Höger“. Landeshauptmann a. D. Erwin Pröll habe „diese Erfolgsgeschichte nahtlos fortgeschrieben und Niederösterreich neues Selbstbewusstsein, Strahlkraft und Sichtbarkeit gegeben.“ Im Namen des Landes dankte sie Erwin Pröll, seinen Regierungskolleginnen und -kollegen sowie „allen Verantwortungsträgern, die die Beschlüsse damals mitgetragen haben“.
Auch der Blick nach vorne spielte bei der Feier eine zentrale Rolle. „Für Niederösterreich an der besten Zukunft unserer Kinder zu arbeiten“, sei die gemeinsame Verantwortung. Deshalb investiere das Land weiter in Bildung und Wissenschaft, Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuung sowie Wirtschaft und Arbeit. Die „Mission Nobelpreis“, der Gesundheitsplan 204+, der Ausbau der Kinderbetreuung sowie Investitionen in Zukunftsbranchen seien Beispiele dafür, wie Niederösterreich diesen Weg weitergehe.
Die Landeshauptstadt sei nie Selbstzweck gewesen, sondern „das Herz des Landes und Motor für die Regionen“. Die Entscheidung vor 40 Jahren habe nicht nur St. Pölten, sondern das ganze Land gestärkt. Als zentrales Erfolgsrezept der vergangenen Jahrzehnte nannte Mikl-Leitner „das Miteinander“. „Die wichtigste Zutat ist und bleibt: Das Miteinander. Zwischen Stadt und Land. Zwischen der Hauptstadt und den Regionen. Über Parteigrenzen hinweg. Von Generation zu Generation.“
Bundeskanzler Christian Stocker bezeichnete die Landeshauptstadt St. Pölten als „eine Erfolgsgeschichte für Niederösterreich“ und hob die Bedeutung des Bundeslandes als Standort für Wissenschaft, Forschung, Industrie, Innovation und Landwirtschaft hervor. Gleichzeitig betonte er die Schönheit Niederösterreichs. Die vergangenen 40 Jahre hätten gezeigt, dass die damalige Entscheidung „richtig und gut“ gewesen sei.
Landtagspräsident Karl Wilfing erinnerte daran, dass der Beschluss des Niederösterreichischen Landtages vom 10. Juli 1986 weit über eine reine Standortfrage hinausgegangen sei. Mit der einstimmigen Änderung der Landesverfassung habe Niederösterreich „nicht nur eine Hauptstadt“, sondern „eine Herzkammer“ bekommen. Der Beschluss sei „ein Akt politischen Mutes und ein kräftiges Bekenntnis zur Eigenständigkeit“ gewesen. Rückblickend habe Niederösterreich die Chancen der vergangenen Jahrzehnte genutzt und sich „aus einem Land im Schatten Wiens, am Rande der westlichen Welt gelegen, zu einem starken, selbstbewussten Bundesland und einer selbstbewussten Region im Rahmen der Europäischen Union“ entwickelt. Zugleich gelte: „ein starker Mittelpunkt und starke Regionen kein Widerspruch“. „Im Gegenteil, sie bedingen einander.“ Mit Blick auf die Zukunft sprach sich Wilfing für selbstbestimmte Bundesländer aus, die Verantwortung übernehmen und ihr Land gestalten.
Im Rahmen des Festaktes kamen außerdem Landeshauptmann a. D. Erwin Pröll und Landeshauptmann-Stellvertreterin a. D. Heidemaria Onodi in einem Videobeitrag zu Wort. Die Entscheidung habe dazu geführt, „dass Niederösterreich in die Lage versetzt wurde, aus dem Schatten der Bundeshauptstadt herauszutreten“, sagte Pröll und sprach von einem „enormen Energieschub“ für das gesamte Land.




