Herausforderungen der Landwirtschaft

LAbg. Richard Hogl, LGF Bernhard Ebner und LAbg. Klaudia Tanner

Ebner/Tanner/Hogl: Herausforderungen der Landwirtschaft sind gemeinsame Herausforderungen des ganzen Landes

„Die Herausforderungen für die NÖ Landwirtschaft sind enorm, der Borkenkäfer frisst sich durch unsere Wälder, der Rüsselkäfer durch unsere Felder, Ernteausfälle und Dürreperioden nehmen zu, Brexit und Handelsstreitereien gefährden Absatzmärkte und EU-Subventionen. Aber klar ist: Die Herausforderungen der NÖ Landwirtschaft sind Herausforderungen des ganzen Landes NÖ. Deshalb werden wir den Herausforderungen für die NÖ Landwirtschaft auch gemeinsam begegnen, Land NÖ und Landwirtschaftskammer, Bauernbund und Volkspartei NÖ – mit Maßnahmen im Land und Soforthilfe für die Bäuerinnen und Bauern, mit Vorschlägen für den Bund und Forderungen an die EU“, betonen VPNÖ-Landesgeschäftsführer LAbg. Bernhard Ebner, NÖ Bauernbunddirektorin LAbg. Klaudia Tanner und Landwirtschaftssprecher LAbg. Richard Hogl einhellig.

NÖ Landwirtschaft sichert jeden 5. Arbeitsplatz und jeden 10. Export-Euro

„Jeder 5. Arbeitsplatz in NÖ hängt direkt oder indirekt von der Landwirtschaft ab - von unseren 38.000 landwirtschaftlichen Betrieben, von denen 94% Familienbetriebe sind. Jeder 10. Export-Euro wird mit Produkten unserer Landwirtschaft verdient, unsere Landwirte investieren pro Jahr rund 1 Mrd. Euro in ihre Betriebe in NÖ. 9 von 10 Landsleuten schätzen die hohe Qualität Österreichischer Lebensmittel, NÖ Landwirte haben mit 50% aller Ackerflächen und 25% der Fleischproduktion entscheidenden Anteil daran. Die NÖ Landwirtschaft ist Jobgarant, Wirtschaftsmotor und Kornkammer Österreichs. Zudem prägen gepflegte Wälder und bestelle Felder das Bild Niederösterreichs und sind damit Aushängeschilder unseres Landes. Wir in NÖ haben immer Solidarität gelebt und unsere Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner hat klargestellt: Nur im Miteinander können wir unser Land weiterentwickeln“, stellt VPNÖ-Landesgeschäftsführer LAbg. Bernhard Ebner klar.

Es drohen ein Waldviertel ohne Wald und das Aus für den heimischen Zucker

Die Existenzängste von rund 4700 Rübenbauern und 40.000 Waldbesitzern, die über 750.000 Hektar Wald in Niederösterreich bewirtschaften, lassen NÖ Bauernbunddirektorin LAbg. Klaudia Tanner, im flächenmäßig größtem Agrarbundesland Alarm schlagen: „Viele Betriebe sind am Ende ihrer Leistungskraft und stehen vor dem Zusperren. Bereits ein Drittel der heimischen Rübenanbaufläche im Umfang von 10.000 Hektar wurde schon kahlgefressen. Es droht das Aus für den heimischen Zucker - und neben den bäuerlichen Existenzen steht auch der Verlust von 550 Arbeitsplätzen in den Zuckerfabriken Tulln und Leopoldsdorf auf dem Spiel. Es geht um viel: Das Aufgeben der heimischen Selbstversorgung mit Rübenzucker und die Abhängigkeit von Zuckerrohr aus Übersee stehen im Raum“, so Tanner. Und zur nächsten Gefährdung: Schon im Jahr 2017 hat der Borkenkäfer österreichweit eine Schadholzmenge von 3,5 Mio. Festmetern Schadholz verursacht, NÖ war mit rund 1,5 Mio. Festmetern hauptbetroffen. „Allein das Waldviertel ist durch einen hohen Anteil an Nadelbäumen und durch die vom Klimawandel bedingte Trockenheit und Dürre zum wahren Eldorado für den Borkenkäfer geworden. Es droht ein Waldviertel ohne Wald“, erklärt Direktorin Tanner die dramatische Situation.

Sofortmaßnahmen und Forderungen für unsere Bäuerinnen und Bauern

Zur Ist-Situation: „Wer rasch hilft, hilft doppelt“, verweist Tanner auf die von BM Elli Köstinger und LH-Stv. Stephan Pernkopf getroffenen Maßnahmen für die Rübenbauern und den geplanten Aktionsgipfel für die Zukunft des Rübenanbaus in Österreich. Das vom Land und der Landwirtschaftskammer NÖ geschnürte Unterstützungspaket in Bezug auf die Borkenkäferplage enthält insgesamt sechs Maßnahmen, wie zum Beispiel die Einrichtung von

Koordinierungsstellen auf Landes- und Bezirksebene und Hilfestellung von mobilen Einsatztrupps zur Käferabwehr. „Im Regierungsprogramm gibt es ein klares Bekenntnis zu einer wettbewerbsfähigen, multifunktionalen und flächendeckenden österreichischen Land- und Forstwirtschaft mit bäuerlichen Familienbetrieben. Darin wurde ein breites Spektrum an Maßnahmen vereinbart, die es nun rasch umzusetzen gilt“, betont Tanner. Sie fordert etwa die rasche Umsetzung der Novellierung des Ökostromgesetzes, um den Abtransport des Holzes aus dem Wald zu forcieren, die steuerliche Entlastung bei Betriebsmittelkosten wie in anderen EU Ländern und die Attraktivierung der Risiko-versicherungen für die bäuerlichen Betriebe durch Erhöhung der Prämien-Zuschüsse. Auch der Aufbau der überregionalen Wasserbereitstellung zur Bewässerung und Erstellung eines mittelfristigen Wasserversorgungskonzepts für Trockengebiete, sei dringend erforderlich. „Gerade in so einer Situation können wir Kürzungen im Agrarbudget, angedacht sind minus 6 Prozent, nicht hinnehmen. Hier gilt es im System zu sparen, und nicht bei unseren kleinstrukturierten bäuerlichen Familienbetrieben“, zeigt sich Tanner kämpferisch.

Bedrohende Situation für Betroffene

Landwirtschaftssprecher LAbg. Richard Hogl betont die Ausmaße für einzelne Landwirte: „Ich habe viele Betroffene besucht, stehe mit ihnen in ständiger Verbindung. Ein Landwirt aus dem Bezirk Mistelbach zum Beispiel verzeichnet auf Grund des Rüsselkäfers einen Totalausfall auf 5 Hektar und massive Einbußen auf 27 Hektar. Beim derzeitigen Rübenpreis ein Minderertrag von 17.000 Euro und durch Mehrkosten allen voran Schädlingsbekämpfung summiert sich der Schaden auf rund 24.700 Euro – das ist existenzbedrohend. Der durchschnittliche Schadholz-Anteil pro Waldviertler Betrieb auf Grund des Borkenkäfers beläuft sich auf 100 Erntefestmeter.  Die Schadenssumme auf rund 50 Euro pro Erntefestmeter. Das heißt, im Schnitt 5.000 Euro Schaden pro Betrieb – das ist für viele existenzbedrohend. Was die derzeitigen Budgetkürzungs-Überlegungen der EU betrifft haben wir uns das für einen Betrieb mit 35 Hektar Ackerland und 25 Milchkühen im Bezirk Zwettl durchgerechnet – die Förderungen sinken zwischen 2021 und 2027 auf 23.500 Euro, das sind um rund 2.500 Euro weniger als in den Jahren davor – auch das kann, im Zusammenspiel mit anderen Faktoren – existenzbedrohend sein“.

 

Die Maßnahmen für die betroffenen Rüben- und Waldbauern im Detail:

1.) Zuckerrübe:

  • Aufhebung des 75% Getreide-Maisanteils. Auf umgebrochenen Rübenflächen ist der Anbau von Mais möglich, auch wenn die 75 % Getreide- und Maisgrenze überschritten wird. 
  • Aufhebung der Blühflächenbegrenzung und einjährige Ackerbiodiversitätsflächen. Darüber hinaus ist die Prämiengewährung aus EU- und Bundesgeldern auch über 10 % der Ackerfläche möglich.
  • Abhaltung eines gemeinsamen Aktionsgipfels von Nachhaltigkeitsministerium mit Handelsketten, Industrie, NGOs, Bauern und Experten der Landwirtschaftskammer zur Zukunft der heimischen Zuckerproduktion.

2.) Wald:

  • Einrichtung von Koordinierungsstellen auf Landes- und Bezirksebene, die als Anlaufstelle für Waldbesitzer bei der Umsetzung der bekämpfungstechnischen Maßnahmen fungieren.
  • Bereitstellung von mobilen Einsatztrupps vor Ort, die die Grundeigentümer bei den bekämpfungstechnischen Maßnahmen unterstützen und soweit möglich auch Holzernte- und Bringungsarbeiten durchführen
  • Käferabwehr: Aufstellen von Borkenkäferfallen und Sicherungsabdeckung von gelagertem Rundholz.
  • Intensivierung der Schadholzaufarbeitung: Mobiles Entrinden von befallenen Bäumen, Mulchen und Verhacken von bruttauglichem Material.
  • Abtransport des Schadholzes aus dem Wald: Erhöhung der Transportkapazitäten von Holzfrächtern von 44 auf 50 Tonnen, Nutzung der Verarbeitungskapazitäten in der nachgelagerten Industrie, Förderung von speziellen Nass- und Trockenlagern für Schadholz.
  • Kostenzuschuss bei Mischwald-Aufforstung